Zeitungsartikel: Natur vom Wasser aus erleben

Sommerserie „Raus in die Natur“ – Heute: Karl Hauser entdeckt mit dem Ruderboot immer neue Landschaften

Agnes Striegan 

Deggendorf. Mit gleichmäßigen Bewegungen zieht Karl Hauser seine Skulls über die Donau, gleitet recht flott dahin auf dem schmalen, knallblauen Boot, über ihm der leicht bewölkte Himmel. Es ist warm, und an der Uferpromenade spazieren einige Menschen entlang, andere sitzen im Lokal über dem Bootsschuppen des Rudervereins – aber Hauser ist auf der breiten Donau ganz allein. Da ist es nicht schwer zu verstehen, warum er vom Rudern so begeistert ist: „Rudern ist super, ein toller Ausdauersport, den man in jedem Alter betreiben und bei dem man wunderschöne Landschaften entdecken kann.“

Hauser selbst rudert seit seinem 14. Lebensjahr – also seit 45 Jahren. Als Kind wohnte er mit seinen Eltern in der Nähe der Donau, dort, wo heute die Gebäude der Fachhochschule stehen. Von ihrer Wohnung aus konnte er die Ruderer beobachten, da wusste er bald, dass er das auch machen möchte. „Vor allem, nachdem ich bei einem Fußballspiel einen Elfmeter vergeigt hatte“, scherzt er. Heute ist Hauser erster Vorsitzender des Deggendorfer Rudervereins von 1987, der etwa 200 Mitglieder zählt, davon knapp 80 Aktive. Die Ruderer können sich hier jederzeit eines der 40 Boote ausleihen, außerdem bietet der Verein Kurse und Trainingslager an, nimmt an Regatten teil und organisiert längere Wanderfahrten.

Das kalte Nass, in dem man als Ruderer zwangsläufig immer wieder landet, konnte Hausers Leidenschaft keinen Abbruch tun: „Natürlich fällt man immer wieder ins Wasser, gerade als Anfänger und auf der Donau“, sagt er. Schlimm sei das nicht – außer vielleicht für den Dieb, der einmal ihr wertvollstes Boot stehlen wollte, stattdessen aber im Wasser landete und herausgefischt wurde.

Brenzliger sei es gewesen, als mehrere Ruderer einmal beinahe mit einem Dampfer zusammengestoßen wären: „Beim Rudern sitzt man ja mit dem Rücken in Fahrtrichtung, das heißt, dass man, auch wenn man sich natürlich regelmäßig umschaut, nicht immer alles im Blick hat – vor allem, wenn man dann für einen Trainingskilometer richtig Gas gibt“, erzählt Hauser. Passiert sei zum Glück nichts, die Ruderer hätten rechtzeitig zur Seite springen können. „Die Donau ist eine viel befahrene Wasserstraße, ganz ungefährlich ist das nicht“, gibt Hauser zu. Schwere Unfälle hätte es aber noch nicht gegeben.

Was also macht unfreiwillige kalte Duschen, drohende Kollisionen mit Schiffen oder auch gelegentliche Zusammenstöße mit Bojen wieder wett? Zum einen sei das die sportliche Betätigung beim Rudern, bei der etwa 95 Prozent der Muskulatur in Anspruch genommen werden – es würde eigentlich alles trainiert außer dem Bizeps, grinst Hauser. Außerdem könne man sowohl im Team als auch alleine rudern, als Kind oder auch noch mit 80 Jahren. Besonders toll aber sei das Naturerlebnis. „Das Schönste ist, dass die Landschaft jeden Tag anders aussieht. Das Wetter ändert sich, der Zustand des Wassers, die Wellen, die Strömung – das ist unglaublich spannend“, schwärmt er.

Ein spannendes Naturerlebnis dürfte es auch gewesen sein, als Hauser einmal von einem Schwan angegriffen wurde: „Ich muss seiner Brutstelle zu nahe gekommen sein“, erzählt er. „Da flog er mir vor das Boot, schlug wild mit den Flügeln und fauchte mich wütend an.“ Meistens jedoch sehe man vor allem Fische, die plötzlich neben den Booten aus dem Wasser springen.

Ab November oder Dezember allerdings ist Schluss mit dem Rudern draußen in der Natur: „Das Wasser ist dann zu kalt, wenn man hineinfällt, beträgt die Überlebensdauer nur zwei bis drei Minuten. So schnell kann sich selbst der geübteste Schwimmer nicht ans Ufer retten“, erklärt Hauser. Trainiert wird nur noch drinnen, am Ruderergometer etwa oder beim Zirkeltraining.
Noch aber ist es ja warm draußen, und so dreht Karl Hauser noch rasch einige Runden auf der Donau.

Karl Hauser

Quelle

Ausgabe Deggendorfer Zeitung – Nr. 197
Datum Montag, den 28. August 2017
Seite 23

Foto: Roland Binder